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Imkerei ist (meist) keine naturnahe Bienenhaltung


Für uns gibt es einen großen Unterschied zwischen der Imkerei wie sie von fast ausschließlich allen Imkern betrieben wird und der naturnahen Bienenhaltung wie wir sie akzeptieren!
Das Thema ist riesig und wir wollen versuchen es einen Bienenlaien in Kürze zu erklären und die Unterschiede zu zeigen.
Die Imkerei richtet sich nach den Willen und dem Profit des Menschen - die naturnahe Bienenhaltung widmet sich den Tieren.

Beginnen wir einmal mit der Behausung - dem Heim im Idealfall oder der Beute wie die Imker sagen:


Imker halten die Bienen in streng vorgegebenen Rahmen. Darüber kommt meist ein Gitter, damit die Königin nicht durch kann und damit der Raum darüber frei ist, damit Honig eingelagert und dann "geerntet" werden kann. Damit bleibt die Königin und die neue Brut auf einen kleinen Raum eingeschränkt.

 

Bei der naturnahen Haltung dürfen die Bienen so bauen wie sie wollen und auch die Königin bewegt sich im ganzen Heim wo sie will. Dadurch kann sie alle Räume nutzen. Natürlich befindet sich dann auch die Brut und der Honig meistens auf der selben Wabe. Ein "ernten" ist damit bei diesen Waben nicht möglich, da sie erstens zu wenig Honig und zweitens noch Brut eingelagert haben.



Diese Waben sind wie die "Zimmer" der Bienen und diese richten diese so ein, wie es ihnen am besten passt. Natürlich nur dann wenn man sie lässt...

Imker prägen den Bienen Wachsplatten vor auf denen sie dann nach Vorgabe ihre Waben bauen müssen. Damit sind sie schneller und können früher Honig eintragen. Die Waben können sie aber nicht nach ihren Wünschen (Größe) bauen und die Seitenränder sind beschränkt. Auch auf der Unterseite gibt es einen Baustopp. Dafür kann man diese Rahmen dann bequem in Maschinen einhängen und den Honig schleudern. Durch verunreinigtes Wachs kommt es oft zu Krankheiten...

Ohne Vorgaben der Imker würden sie sich so an ein Stück Holz anbauen. Oben verdickt, die Waben unterschiedlich, keine Seitenränder und nach unten hören sie zu bauen auf, wenn es eben ihnen vom Abstand her passt. Die Mittelwände bauen sie auch selber mit ihrem eigenen Wachs.



Wie man sich bettet (darf), so liegt man...

Das sieht dann aus wie in einem Plattenbau bei der Imkerei - schön gerade und nach Vorgabe des Imkers. Natürlich kann man hier leicht die einzelnen Rahmen herausziehen und manipulieren.

Oder es sind dann kleine Kunstwerke wie sie eben den Bienen passen. Dabei nehmen sie Rücksicht auf Wärmebrücken und passen sich der Umgebung der Natur an.



Bienen sind ja grob gesehen weiblich und Drohnen männlich. Einzig die Königin bekommt "Kinder". Das hohe Naturziel der Arterhaltung und der Fortpflanzung ist bei den Bienen nicht die Erweiterung des Volkes von 20.000 auf 50.000 Bienen, sondern die Teilung. Durch einen Bienenschwarm zieht meist die alte Königin aus und hinterlässt eine neue Königin. Es sind nun zwei Völker wobei eines eine Erneuerung erfahren hat. Sowohl das alte als auch das neue Volk brauchen nun wieder ihre Zeit um sich einzurichten. Das geht auf Kosten der Honigernte. Daher verhindern Imker diesen natürlichen Trieb indem sie die Königinnenzellen (wo die neuen heranwachsen) ausbrechen und zerquetschen:

Hier wir eine Königinenzelle ausgebrochen und die Larve zerquetscht. Damit wird der natürlich Schwarmtrieb verhindert. Zumindest für ein paar Tage, denn die Bienen ziehen sich dann wieder eine neue Zelle. Diese Prozedur wird daher mehrmalig wiederholt.

Hier nehmen es die Bienen selber in die Hand und verlassen als Schwarm das alte Zuhause, um sich zu teilen. Ein für die Gesundheit und Entwicklung sehr wichtiger Prozeß und ein unglaubliches Naturschauspiel. Sie können es auch ohne uns Menschen und das seit Millionen von Jahren! 



Nun wollen ja Imker auch mehr Völker haben, um mehr Honig zu "ernten". Daher vermehren sie diese gezielt. Larven werden entnommen, künstlich befruchtet (da gehen viele dabei drauf) und dann bewusst wieder zugehängt. Dann nehmen sie ein paar Bienen aus einem Volk und sperren diese mit der Zuchtkönigin ein bis sie diese akzeptieren. Dagegen sucht sich ein neuer Schwarm völlig freiwillig seine neue Auserwählte:

In künstliche Zellen werden die künstlich befruchteten Larven gelegt und dann in das Volk gehängt bis sie kurz vor dem Schlüpfen sind. Dann werden sie händisch entnommen und mit einigen fremden Bienen zu einem neuen Schwarm zusammengeführt.  Dabei werden oft nur die Königinnen mit den "besten" Genen genommen und in die Natur eingegriffen. Die Bienen kümmern sich dann meistens um diese und es entsteht ein Kunstschwarm mit einem neuen Volk. Ist ist imkereiliche Praxis, eine nicht mehr so leistungsfähige Königin aus einem vorhandenen Volk "abzudrücken" um die neue, frische dazu zu führen. Das Geschäft mit Königinnen und Kunstschwärmen macht bei manchen Imkern schon mehr Umsatz aus, als der Verkauf von Honig. Eine Königin kostet rund € 30.- ein Kunstschwarm ca. € 150.- Da müsste man schon 15kg Honig ernten. So geht es leichter und die Leute die sich so gern Bienen in den Garten stellen, sind willkommene Kunden...

So machen es die Bienen selber. Nachdem ein Schwarm ausgezogen ist, kuscheln sich alle um die neu erwählte Königin. Nachher zieht der Schwarm in ein neues Zuhause ein. Ein gesundes und von der Natur bestimmtes neues Volk ist entstanden. Der Austausch und die Weiterentwicklung der Gene ist in der Hand der Natur!



So werden dann Massentierfarmen betrieben um in möglichst kurzer Zeit, so viel wie möglich an Honig zu ernten. Es kommt zu wirklicher Konkurrenz mit anderen Wildbienen und auch untereinander stehen diese zu eng. In der Natur würde es keine so engen und verlassene Baumstämme geben.

Oft stehen sie dann Beute an Beute um die "Arbeit" zu erleichtern. Wenn sie besonders bunt aussehen, dann kommt es davon, dass sie meist aus Styropor sind. Das ist billig, leicht und lässt sich leicht sauber machen....

In der naturnahen Haltung stehen nur wenige "Wohnungen" und sie sind aus massivem Holz gemacht. So nah wie möglich an einem Baumstamm angepasst. Die Dächer nicht aus Blech, sondern aus Holz. Bienen wollen keinen Lärm und welcher Baum hat auch schon ein Blechdach?



Das ist einmal ein kleiner Überblick. Wobei sie hier schon die Unterschiede deutlich sehen. Wir werden noch weitere Artikel dazu bringen.


Wie es dann mit der Entnahme bzw. mit dem Ausrauben der Honigvorräte weitergeht, lesen sie in unserem nächsten Beitrag. Es ist aber schon einmal hier ersichtlich, welche Unterschiede es gibt und warum diese auch beim Honig wiederzufinden sind.
Man braucht keine Messgeräte um zu wissen, wo man lieber wohnen würde und wer den besseren Honig macht....

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Kommentare: 2
  • #1

    Annette Koller (Sonntag, 03 April 2022 09:19)

    super. genau so imkere ich. wir haben runde Beuten gebaut, und unsere Dadant ausgebaut mit dickeren Wänden und mit Wolle (unbehandelt ) isoliert. wir haben uns total von der kommerziellen Imkerei, sowie ich es noch im Kurs gelernt habe, aufzuhören. uns liegt das Wohl der Bienen am Herzen und nicht der Honigertrag

    mit freundlichen Grüssen aus der Schweiz
    Annette Koller

  • #2

    Biobär (Sonntag, 03 April 2022 13:41)

    Hello,
    es freut mich, wenn es da immer wieder Gleichdenkende gibt :-)
    Nicht nur mich, sondern auch die Bienen.
    Wäre nett, wenn sie mir einmal ein email schreiben. Die 0,01% der Bienenhalter die das mit Verantwortung tun sollten sich vernetzen ;-)
    Liebe Grüße!