Ö-Rübenbauer ausgeSPARt

Wie schon beim Artikel Biozucker erwähnt dauerte es keine 3 Wochen und da kam Spar schon als "Retter" der misslichen Lage in der sich die österreichischen Rübenbauern befinden.
Nach dem Motto: "Wenn es euch schon schlecht geht - dann helfen wir dabei euch ganz kaputt zu machen". Jeder ist sich selbst am nächsten...

 

 


Da traut man ja seinen Augen nicht wenn man dieses Inserat sieht.

 

Der "Kampf gegen den Zucker" wird ausgerufen. Das wäre ja fast ein Slogan für eine Dokumentation von Hugo Portisch. Sehen wir uns an gegen wem da gekämpft wird. 1.000 Tonnen Zucker werden eingespart heißt es da. Durch Alternativen - also wird eigentlich nur der Rübenzucker gegen andere Süßungsmittel ausgetauscht.

Wem genau soll das helfen?

Zucker per se ist nicht ungesund. Er ist sogar eine hochwertige Nahrungsquelle. Wie bei allen ist zuviel nicht gut, aber das wissen wir auch alle. Die süßen Lebensmittel will man uns ja auf diesen Prospekt trotzdem verkaufen nur halt mit Produkten die billiger sind und leichter zu kontrollieren.

Agavendicksaft und Birkenzucker haben genauso Kalorien. 40%weniger heißt es hier. Ja klar - pro 100gr - sie süßen aber auch anders (Sacchorose ist zwar gleich) - bedeutet daher wieder mehr davon. Schauen wir uns die Wunderprodukte doch an.

 

Birkenzucker kann man theoretisch aus Birkenrinde gewinnen, in der Praxis wäre das aber zu teuer. Xylit ist auch nur Trivialname für Stereoisomer von Pentanpentol (lecker!) - auch zugelassen unter E967 - einen E-Stoff!

Hergestellt wird "Birkenzucker" aus Holzgummi (Xylanen) aus Harthölzern, Maiskolbenreste, Stroh, usw. Aus diesem wird Xylose bei Temperaturen von 200°C und unter Einsatz von Schwefelsäure oder Natronlauge freigesetzt (schmatz!)

Birkenzucker wird natürlich nicht in Österreich hergestellt.

Wir werden zu den zweifelhaften Xylit noch extra berichten - bis dahin - halten sie Ihren Hund davon entfernt. Bereits ein kleines Sackerl Bonbon (gesüßt mit Birkenzucker) ist für einen Hund tödlich!

 

Agavendicksaft kommt nun wirklich von der Agave und wird in Mexiko produziert. Es handelt sich dabei um Fruchtzucker (wie Traubenzucker) und ist für Menschen mit Leberproblemen bedenklich und auch für die (noch) gesunde Leber, trägt er zu einer Erhöhung der Triglycerinwerte bei.  Weiters kann er auch zum Metabilischen Syndrom (tödlich) beitragen. Auch die Harnsäure wird erhöht. Fructose verringert zusätzlich das Sättigungsgefühl und führt dadurch häufiger zu Übergewicht und erhöhtem Cholesterin.

 

Erythrit (Spar Vital Zukker) heißt eigentlich meso-1,2,3,4-Butanterol und ist unter E968 zugelassen. Es wird kostengünstig durch mikrobielle Umwandlung von Kohlenhydraten mittels osmophiler Pilze hergestellt (sehr bio!). Es hat nur die Hälfte der Süßkraft von Zucker und muss daher in der doppelten Menge verwendet werden und ist damit eine sogenannte Zuckerfalle. Der Körper verlangt nach mehr Süß da er keinen Zucker erhält. Es gibt im Moment auch nur zwei bekannte Hersteller und diese sitzen in Amerika und China!

"Bio"-zertifizierter Mais führt dazu, dass auch die Bezeichnung Bio geführt wird. Hat soviel mit Bio zu tun wie.... ;-)

 

Bleibt dann boch Stevia. Schmeckt eher wie Kandisin und ist daher nicht überall einzusetzen. Früchtetee mit Stevia ist trinkbar - versuchen Sie aber bitte nie Kaffee ;-)

Die Pflanze gedeiht im paraguayisch-brasilianischen Grenzgebiet und ist als E960 erst seit Dezember 2011 zugelassen. Die Erzeugung ist recht aufwendig und um den bitteren Geschmack zu entfernen muss auch ein wenig getrickst werden. Ganz erforscht ist die Auswirkung noch nicht und daher besteht auch noch eine mengenmäßige Beschränkung.

 

 

Und wozu nun das Ganze? Wem hilft das wirklich? Das bissl Ketchup ist vernachläßigbar - das Müsli geht auch mit Früchten gesünder und der eine oder andere Löffel an Rübenzucker darf es schon sein. Die Dosis macht das Gift.

Wem ist nun geholfen? Das lasse ich Ihnen über. Wem nicht geholfen wird, sind unsere Rübenbauern. Diese kämpfen gegen den Zuckerpreisverfall, gegen die Rüsselkäfer und gegen die Klimaveränderung. Nun haben sie neue Feinde - die Supermärkte mit Ihrem Anführer - SPAR.

Mutig stellen sie den Anbau auf Bio um und riskieren noch mehr Ausfälle um den Kunden hochwertige österreichische Ware zu liefern und bekommen nun Null Unterstützung von heimischen Konzernen. Traurig!

Ich möchte nicht wissen wie viele Bauern die ganzseitige Anzeige in der Zeitung zerfetzt haben - wissentlich, dass so ein Inserat ja auch ungefähr soviel kostet wie die ganzen 1.000 Tonnen die Spar ja jetzt ein Jahr lang eingespart hat. Für ein Stück Papier an einem Tag in einer Zeitung muss der Zuckerrübenbauer Rüben von 100 Hektar Ackerfläche ernten um diesen Gegenwert in Euro zu erhalten!
Das lasse ich hier einmal so stehen.

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